Brücken bauen zwischen Strafvollzug und Suchthilfe

Verantwortungsgemeinschaft für Suchtkranke in der JVA

► 15. November 2019 | Bielefeld

EXPERTENAUSTAUSCH ZUR SUCHTPROBLEMATIK HINTER GITTERN
(Tagungsbericht, Quelle: Pressemitteilung der JVA Bielefeld-Brackwede)

Bundesweite Fachtagung in der JVA Bielefeld-Brackwede

Thomas Bader, Sprecher des Fachausschusses Sucht der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie, und Uwe Nelle-Cornelsen, Anstaltsleiter der JVA Bielefeld- Brackwede, begrüßten am Freitag, den 15.11.2019, rund 120 Teilnehmer  aus ganz Deutschland zu der Gemeinsamen Fachtagung des DGSP-Fachausschusses Sucht, des Betreuungsgerichtstags e.V., des Fachverbands für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik e.V. sowie der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. in der JVA Bielefeld- Brackwede.

Zum Thema „Brücken bauen zwischen Strafvollzug und Suchthilfe: Verantwortungsgemeinschaft für Suchtkranke in der JVA“ kamen die Suchthilfeexperten erstmalig in einer Justizvollzugsanstalt zu einem fachlichen Austausch zusammen. Im Mittelpunkt dieses Fachtages, der von Jochem Stroeve, Fachbereichsleiter Sucht der JVA Bielefeld-Brackwede, und Dr. Martin Reker, Leiter der Abt. Abhängigkeitserkrankungen in Bethel, moderiert wurde, stand die Frage, wie man durch bessere Vernetzung der Angebote die Gruppe der suchtkranken Gefangenen, die rund 2/3 aller Gefangenen im Strafvollzug ausmacht, bestmöglich dazu befähigen kann, ein Leben in sozialer Verantwortung und ohne Begehung neuer Straftaten zu führen.

In den Fachvorträgen erläuterte Dr. Martin Reker die Bedeutung der Motivation in einem scheinbar hoffnungslosen Arbeitsfeld. Dr. Norbert Schalast, Direktor des Instituts für forensische Psychiatrie am LVR-Klinikum Essen, stellte die Frage nach der passenden suchttherapeutischen Intervention und verglich die Anwendung des § 64 StGB mit Maßnahmen im Strafvollzug ohne Auflagen. Dr. Carl-Ernst von Schönfeld und Jan Cronshage, beide Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel, teilten ihre Erfahrungen zum Übergangsmanagement und zur Haftnachsorge anhand äußerst anschaulich dargestellter Fallbeispiele mit. Nicht zuletzt referierte Günther Greussing, Suchttherapeut aus der Strafanstalt Saxerriet in der Schweiz, über Möglichkeiten und Grenzen der Hilfestellung für suchtkranke Straftäter im offenen Strafvollzug. Im Anschluss wurde bezugnehmend auf die Fachvorträge zu einem Meinungsaustauch in Kleingruppen eingeladen.

So trug der Fachtag nicht nur dazu bei, Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Arbeitsfeldern der Suchthilfe an einem Tisch zu vereinen. Die Tagung ermutigte auch, trotz eines manchmal hoffnungslos erscheinenden Arbeitsfeldes, unnachgiebig an dieser wertvollen Arbeit festzuhalten und sich selbst und sein Handeln stets zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Thomas Bader bedankte sich abschließend für die Veranstalter bei der Anstalt für die rundum gelungene Organisation und dass es auf diese Weise gelungen sei, vielen Teilnehmern erstmalig einen Blick über die Arbeit mit suchtkranken Gefangenen hinter den Mauern zu ermöglichen.