Die DGSP stellt sich vor

Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen werden bis heute gesellschaftlich ausgegrenzt, finanziell schlechter gestellt und in ihrer Selbstbestimmung beschränkt. Die Benachteiligung gegenüber Gesunden wie auch körperlich erkrankten Menschen erstreckt sich auch auf die Familien, die häufig eine tragende Rolle in der Versorgung und Betreuung haben.

Wer im psychiatrischen Umfeld arbeitet, leidet nicht selten unter unzureichenden, kränkenden (krank machenden) Bedingungen; soziale Ausgrenzung der PatientInnen spiegelt sich in mangelnder Anerkennung psychiatrischer Tätigkeit.
Soziale Psychiatrie sieht den Menschen in seinem gesellschaftlichem und lebensgeschichtlichen Bezug - mit Stärken und Schwächen, Ressourcen und Bewältigungsstrategien, mit den Grundbedürfnissen nach Wohnen und Arbeit, mit Angehörigen, FreundInnen und KollegInnen, als liebendes und lernendes Individuum.
Soziale Psychiatrie verstehen wir als Psychiatrie im Kontext von Gemeinwesen, sozialen Sicherungssystemen und Politik. Behandlung und Hilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind in diesem Feld zu organisieren - personen- und bedürfniszentriert, multiprofessionell, gemeindeintegriert und demokratisch.

Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V. (DGSP) ist ein unabhängiger Fachverband für psychiatrisch Tätige aller Berufsgruppen.

Die DGSP vereinigt Menschen, die über die Grenzen ihres jeweiligen Arbeitsplatzes hinaus für die weitere Humanisierung der psychiatrischen Versorgung eintreten wollen. Sie tragen dazu bei durch fachlichen Austausch untereinander, durch Öffentlichkeitsarbeit und durch Engagement in politischen Gremien. Nicht zuletzt finden sie in der DGSP Wissen, Erfahrung und Ermutigung für die eigene Arbeit.

Alle, die das sozialpsychiatrische Grundverständnis und die Ziele der DGSP teilen, können Mitglied werden.

Wurzeln
Kritik an den menschenunwürdigen Zuständen der Psychiatrie und Unzufriedenheit mit den dortigen Arbeitsbedingungen bewegte zwischen 1968 und 1970 MitarbeiterInnen aller Berufsgruppen in der Psychiatrie dazu, sich mit dem Ziel zusammenzuschließen, die Situation in der Psychiatrie zu verändern.

Ein erstes überregionales Treffen fand im Mai 1970 in Mannheim statt. Der »Mannheimer Kreis« wurde zu einem Inbegriff der Psychiatriebewegung. Aus diesen Treffen entwickelte sich in den 90er Jahren die »Frühjahrstagung« der DGSP.

Die Ursprünge der DGSP liegen also in der 68er-Generation.

Trotz des antiautoritären Selbstverständnisses der AkteurInnen erkannten diese schnell, dass verbindliche, für Außenstehende transparente Strukturen die Möglichkeit der Einflussnahme verbessern würden. In der Folge wurde die DGSP gegründet und gliederte sich in Landesverbände und Regionalgruppen.

In den östlichen Bundesländern wurde nach der Wende die Gesellschaft für Kommunale Psychiatrie gegründet. Sie vereinigte sich 1992 mit der DGSP.

Auch in der DDR gab es Reformbestrebungen in der Psychiatrie.

Dafür stehen unter anderem die Rodewischer (1963) und die Brandenburger Thesen (1976). Eine Bestandsaufnahme zehn Jahre nach der Wende konstatierte in den Motzener Thesen (1999), dass »die Wende« in den sogenannten neuen Bundesländern zwar manchen Fortschritt ermöglicht habe; andererseits gingen aber auch Errungenschaften verloren wie z. B. die Integration psychisch kranker und behinderter Menschen in die Arbeitswelt.

Prozess
Die DGSP diskutiert die Belange der psychiatrischen Versorgung in ihren Gremien und mit ihren Partnerorganisationen. Die Ergebnisse dieser inhaltlichen Auseinandersetzungen beeinflussen auf verschiedenen Wegen die Ausgestaltung der Psychiatrie: Die DGSP erarbeitet Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen, Rahmenvereinbarungen und Richtlinien der Politik. Sie vertritt ihre Meinung schriftlich und mündlich gegenüber Ministerien, Gesundheits- und Sozialverwaltung, den Wohlfahrtsverbänden, den Trägern von Diensten und Einrichtungen usw.

Die DGSP veranstaltet zweimal jährlich Fachtagungen mit sozialpsychiatrischen Themenschwerpunkten.

Die DGSP initiiert Versorgungsforschung, Workshops, Zukunftswerkstätten und sorgt für die Veröffentlichung und Berücksichtigung der Ergebnisse.

Die DGSP bietet ein umfangreiches Fortbildungsprogramm- von der klassischen Sozialpsychiatrischen Zusatzausbildung (SPZA) bis zu ein- oder mehrtägigen Kurzfortbildungen zu vielen praxisrelevanten Themen.

Die DGSP bietet in ihren Gremien vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv und kreativ einzumischen, mit Gleichgesinnten für fachliche und politische Verbesserungen zu streiten.

Wer die Ziele der DGSP unterstützt, jedoch nicht aktiv mitarbeiten kann oder möchte, ist ebenfalls als Mitglied herzlich willkommen.

DGSP-Mitglieder erhalten die Verbandszeitschrift "Soziale Psychiatrie" viermal jährlich. Sie genießen Preisvorteile bei Fortbildungen und Tagungen. Die DGSP ist als gemeinnützig anerkannt, Mitgliedsbeitrag und Zuwendungen sind steuerlich absetzbar.

Struktur
Die DGSP ist ein eingetragener Verein, der als gemeinnützig anerkannt ist. Sie ist unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Organisationen und finanziert sich ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Zuwendungen (Spenden).

Die Mitgliederversammlung ist oberstes Beschlussorgan; sie findet jährlich im Rahmen der DGSP-Jahrestagung statt.

Der Bundesvorstand wird alle drei Jahre von der Mitgliederversammlung gewählt. Er besteht aus dem geschäftsführenden (GV, fünf Mitglieder) und dem erweiterten Vorstand (EV, zehn Mitglieder). Der GV steuert in enger Zusammenarbeit mit dem EV die Aktivitäten und Initiativen auf Bundesebene.
In den meisten Bundesländern und Stadtstaaten bestehen Landesverbände, die sich eigenständig organisieren und ihre Aktivitäten an den örtlichen Bedingungen ausrichten. Sie entsenden je einen stimmberechtigten Landesdelegierten zu den Treffen des EV.

Regionalgruppen, manchmal auch »»DGSP-Stammtische« genannt, können in Einrichtungen, Gemeinden oder Regionen dem Erfahrungsaustausch dienen.

Die Fachausschüsse/Arbeitskreise sind Organe des Vorstands und arbeiten in dessen Auftrag. Sie widmen sich inhaltlichen Schwerpunkten und sind überregional organisiert. Auch sie entsenden VertreterInnen zu den Treffen des EV.

Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Köln. Sie sorgt für Kommunikation und Koordination, führt das Mitgliederregister, bewirbt und organisiert Fortbildungen und Fachtagungen, ist zuständig für die Verwaltung und die Herausgabe der Verbandszeitschrift »Soziale Psychiatrie«. In der Geschäftsstelle wird auch ein umfangreiches Medienarchiv zur Sozialpsychiatrie gepflegt, das allen Interessierten nach Absprache zur Verfügung steht.

Partner
Die DGSP tritt ein für eine Kommunikation auf gleicher Augenhöhe zwischen psychisch erkrankten Menschen, Angehörigen und psychiatrisch Tätigen. Sie pflegt regen Austausch mit den Organisationen von Betroffenen und Angehörigen - dem »Bundesverband Psychiatrie Erfahrener« (BPE) und dem »Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker« (BApK).

Die DGSP steht in regelmäßigem Informationsaustausch mit anderen Fachverbänden, z.B. mit dem »Dachverband Psychosozialer Hilfsvereinigungen« und der »Aktion Psychisch Kranke« (APK).

Die DGSP ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband und im Dachverband Deutschsprachiger PsychosenPsychotherapie e.V. Auf internationaler Ebene in der »World Federation of Mental Health« (WFMH) und bei »Mental Health Europe« (MHE).

Bankverbindung: Bank für Sozialwirtschaft
Konto-Nr.: 7 110 800
IBAN: DE 87 3702 0500 0007 1108 00
BIC: BFSWDE33