07. Mai 2026 | Zusammenfassung in einem Papier
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Psychiatrie-Enquete luden die Verbände des Kontaktgesprächs Psychiatrie im Sommer 2025 zu einer gemeinsamen Tagung nach Leipzig. Die Impulse der Tagung werden nun in einem Papier zusammengefasst.
Auch wenn in der Umsetzung der Grundsätze der Enquete wichtige Schritte gegangen wurden, sind einige der benannten Probleme noch immer aktuell: Es gibt weiterhin Lücken in der Versorgung bestimmter Patient*innengruppen, die sektorenübergreifende Versorgung wird nicht hinreichend koordiniert, die multiprofessionelle Zusammenarbeit ist weiterhin mangelhaft. Macht- und Finanzierungsstrukturen sowie Marktmechanismen blieben in den letzten Jahrzehnten unangetastet bzw. haben sie an Bedeutung sogar gewonnen.
Es gilt nun, die konkreten Herausforderungen in einer prekären Finanzsituation anzugehen und Fehlanreize in Finanzierungslogiken abzubauen. Darüber hinaus müssen die hochgradig ausdifferenzierten Unterstützungsangebote und Hilfen im gegliederten Leistungssystem für alle Akteure übersichtlicher gestaltet und durch gezielte Steuerung, Koordinierung und Kooperation verbessert werden. Die aktuell zu beobachtenden Tendenzen, die Anwendung von Zwangsmaßnahmen auszuweiten, gilt es zurückzudrängen. Das Erfahrungswissen von Betroffenen und ihren Angehörigen muss stärker berücksichtigt werden.
Das Impulspapier führt zentrale Handlungsfelder auf, die im Rahmen der Tagung diskutiert wurden:
- Haltungen verändern, Stigmatisierung beenden: Psychiatrie wird politischer
- Partizipation und Mitbestimmung auf allen Ebenen umsetzen
- Individuelle Unterstützung in der Lebensrealität der Menschen anbieten
- Finanzierung und Strukturen an den Bedarfen und Bedürfnissen von Menschen mit psychischer Erkrankung ausrichten
- Versorgungsgerechtigkeit ermöglichen
- Zwangsanwendungen bundesweit erfassen und schrittweise abbauen
Die Menschen, um die es geht, stehen im Mittelpunkt und gestalten ihre Wege der Genesung und Teilhabe mit. Wir benötigen mehr Gestaltungswillen und gemeinsames Handeln auf allen Ebenen in der Politik, bei Leistungsträgern und bei Leistungserbringenden, um im eigenen Verantwortungsbereich die Diskrepanz zwischen Erkenntnissen und deren Umsetzung abzubauen.
Gesetzlicher Reformbedarf besteht - keine Frage. Gleichwohl ermöglicht schon jetzt die Gesetzeslage Hilfeangebote, die sich an den Bedürfnissen von Menschen mit psychischen Erkrankungen orientieren und institutionelle Interessen bei Seite schieben.