Die Stiftung für Soziale Psychiatrie vergibt einen Förderpreis für innovative Projekte und Initiativen zur gesellschaftlichen Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Im Jahr 2025 erhielt der Förderpreis zu Ehren des Namensgebers den neuen Namen »Klaus-Dörner-Preis«.
Mit Mitteln des Förderpreises können z.B. Modellprojekte, bürgerschaftliche Initiativen, Forschungsarbeiten oder Bildungsangebote unterstützt werden, die wichtige Aspekte psychischer Erkrankungen berücksichtigen.
Förderfähig sind Vorhaben, in denen Menschen mit psychischen Erkrankungen anderen auf Augenhöhe begegnen können und Angebote, die sie in ihrem Selbstbestimmungsrecht stärken und auf die Erhaltung ihrer Menschenwürde und auf die Verbesserung ihrer Lebensqualität hinwirken.
Der »Klaus-Dörner-Preis« der Stiftung für Soziale Psychiatrie wird in der Regel alle zwei Jahre vergeben, wird nach wechselnden Schwerpunktthemen vergeben und ist z.Zt. mit 2.500 Euro dotiert.
Aktueller Preisträger ist das Netzwerk der "Recovery Colleges"
Die Stiftung für Soziale Psychiatrie hat den Klaus-Dörner-Preis 2025 an das Netzwerk der Recovery Colleges verliehen. Die Preisverleihung fand am 30. Oktober 2025 in Gütersloh statt – dem langjährigen Wirkungsort von Klaus Dörner und damit einem besonders passenden Ort für die erste Verleihung des nun nach ihm benannten Preises.

In seiner Laudatio würdigte Christian Reumschüssel-Wienert das Netzwerk als »ein Projekt, das nicht nur neue Wege im Umgang mit psychischen Krisen weist, sondern vor allem die zutiefst menschliche Idee verkörpert, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, zu wachsen, sich zu erholen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen«. Die Recovery Colleges stehen für einen grundlegenden Paradigmenwechsel: Sie verabschieden sich vom traditionellen Verständnis, psychisch erkrankte Menschen vor allem als Behandlungsobjekte zu betrachten, und setzen stattdessen auf gemeinsame Teilhabe, Bildung und Empowerment.
In den Recovery Colleges begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen – Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Interessierte – auf Augenhöhe. Sie lernen miteinander und voneinander, tauschen Wissen und Perspektiven aus und gestalten gemeinsam Räume, in denen Entwicklung, Selbstwirksamkeit und Hoffnung möglich werden. Bildung wird hier als Akt der Selbstermächtigung verstanden: Nicht Diagnosen stehen im Mittelpunkt, sondern Menschen mit ihren individuellen Geschichten, Fähigkeiten und Lebensentwürfen.
Die Idee stammt ursprünglich aus Großbritannien, hat aber in Deutschland eine eigene, lebendige Form gefunden. Inzwischen gibt es eine wachsende Zahl an Recovery Colleges in verschiedenen Regionen, die miteinander vernetzt sind und gemeinsame Werte teilen. Menschen mit Krisen- oder Psychiatrieerfahrung übernehmen dort Verantwortung als Dozent:innen, gestalten Lehrinhalte mit und bringen ihre Expertise aus gelebter Erfahrung ein. Diese Haltung verändert nicht nur die Teilnehmenden, sondern auch das professionelle System selbst – hin zu mehr Offenheit, Respekt und gegenseitigem Lernen.
Reumschüssel-Wienert betonte in seiner Rede, dass das Netzwerk der Recovery Colleges eine Praxis des gesellschaftlichen Gegenentwurfs verkörpere – eine Antwort auf wachsende Angst, Unsicherheit und Rückzugstendenzen in unserer Zeit. Statt Kontrolle und Abgrenzung zu fördern, stünden hier Kooperation, Vertrauen und die gemeinsame Suche nach einem »guten Leben« im Mittelpunkt – ganz im Sinne von Klaus Dörners humanistischem und sozialpsychiatrischem Vermächtnis.
Mit der Auszeichnung würdigt die Stiftung für Soziale Psychiatrie nicht nur die beispielhafte Arbeit des Netzwerks, sondern auch das Engagement all jener, die mit Überzeugung und Kreativität daran mitwirken, Teilhabe und Inklusion praktisch umzusetzen. Die Recovery Colleges zeigen eindrucksvoll, dass Heilung, Lernen und Veränderung immer dann gelingen, wenn Menschen einander zuhören, voneinander lernen und gemeinsam neue Wege gehen.
Laudatio in voller Länge (PDF)