Fachausschuss Migration

„Psychiatrie in der Verantwortung“

Am 5. Mai 2017 hat das Gründungstreffen des DGSP-Fachausschusses (FA) Migration in Köln stattgefunden. Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Berlin, Neuruppin, Kiel, Bielefeld, Viersen und Köln trafen sich in der Bundesgeschäftsstelle der DGSP um erste Impulse für die künftige Arbeit zu setzen. Ein Erfahrungsaustausch über die Hilfen für geflüchtete Menschen und die Probleme vor Ort machte deutlich, dass die versammelten Kolleginnen und Kollegen vielfältige berufliche oder ehrenamtliche Kompetenzen in den Bereichen Versorgung, persönliche Hilfen oder Traumatherapie mitbringen.

In einem zweiten Schritt wurden Ideen und Vorschläge für die künftige Arbeit des FA gesammelt. Ein ausführliches Brainstorming benannte eine Reihe von Problemfeldern, die die aktuellen Brennpunkte der Arbeit spiegeln. Genannt wurden beispielsweise: ungeschützte Situation von jugendlichen Flüchtlingen, verhinderte Familienzusammenführung, Abschiebungen (aktuell insbesondere nach Afghanistan), Verfolgung aufgrund sexueller Identität, mangelhafte Gesundheitsversorgung, Chancen der Traumatherapie, aber auch: Gefahr der Pathologisierung und Psychiatrisierung von Flüchtlingen …

Wichtig ist die politische Dimension der zukünftigen Arbeit: „Psychiatrie in der Verantwortung“ - so die Überschrift einer DGSP-Stellungnahme von Juli 2015. Seitdem haben sich die Restriktionen gegen Schutzsuchende von Seiten der Politik stetig verschärft. Eine „Abschottungskultur“ ist anstelle der „Willkommenskultur“ getreten. Aufgabe des DGSP-Fachausschusses ist es, dagegen Stellung zu beziehen und für eine menschenrechtsbasierte Flüchtlingspolitik einzutreten. Dazu gehört auch die Einflussnahme auf die aktuelle Diskussion um das geplante Einwanderungsgesetz. Ein weiterer Baustein künftiger Arbeit könnte die Konzeption von Fortbildungsangeboten und Tagungen sein. Schon jetzt bietet die DGSP eine Weiterbildung „Traumazentrierte Fachberatung für Mitarbeiter in der Sozialpsychiatrie und die Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen“ an. Informationen dazu erteilt die DGSP-Geschäftsstelle.

Das zweite Treffen des Fachausschusses (FA) Migration fand am 23. Oktober 2017 in Köln statt.

Zum Selbstverständnis des FA wurde herausgearbeitet, dass sich der FA nicht nur um die Situation kürzlich oder vor einiger Zeit geflüchteter und schutzsuchender Menschen kümmert, sondern auch um die Lage langjährig hierlebender MigrantInnen.

Themen waren insbesondere die Aussetzung des Familiennachzugs, die Abschiebungen nach Afghanistan und die prekäre gesundheitliche Versorgung der Schutzsuchenden. Vor dem Hintergrund der aktuell stattfindenden Sondierungsgespräche für eine geplante Jamaika-Koalition wurde beschlossen, einen Brief mit Forderungen an die sondierenden Politiker zu entwerfen, der inzwischen von einer kleinen Arbeitsgruppe verfasst und an diese, aber auch an weitere politisch Verantwortliche und die Fachöffentlichkeit verschickt worden ist.[Brief]

Außerdem thematisierte der FA die erheblichen Missstände im BAMF und die Dolmetscherproblematik. Hier standen u.a. Anhörungen/Prüfungen durch nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter und Entscheider, Einschüchterungsversuche, Wartezeiten, Nicht-Berücksichtigung gesundheitlicher Probleme, unzureichende/fehlende Finanzierung der Sprachmittler im Mittelpunkt. Ein entsprechender Brief an den Innenminister und der Leiterin des BAMF Jutta Cordt soll entworfen werden. Die BAMF-Problematik soll auf dem nächsten Treffen ausführlich diskutiert werden.

Das nächste Treffen findet am 2. März 2018 in Köln statt.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Nähere Informationen: michaela.hoffmann(at)dgsp-ev.de
Tel.: 0221 51 10 02