FA Kinder und Jugendliche

Bei der DGSP Tagung im November (13.-15. 2014) in Bremen zum Thema Sozialpsychiatrische Grundhaltung ist der Fachausschuss im Forum XVI. beteiligt. Und zwar mit dem Thema:

„Sozialpsychiatrische Grundhaltung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – gegen Psychiatrisierung, Medikalisierung, gegen Abschiebung und Repression.“

 Themen der vergangenen Jahre waren:

  • Die Haasenburg GmbH in Brandenburg, hat wegen der bekannt gewordenen entwürdigenden „pädagogischen“- und „Therapie“- Methoden (unter geschlossenen Bedingungen) viel Aufmerksamkeit erregt. Nachdem eine im Auftrag der Landesregierung arbeitende unabhängige Kommission ihre Untersuchungsergebnisse vorgelegt hatte, musste diese Einrichtung geschlossen werden.
  • In den vergangenen 30 Jahren kam es bereits zum dritten Mal vor, dass in Hamburg – meistens politisch verordnet – im Rahmen der Jugendhilfe schwierige Kinder entweder nach außerhalb oder direkt in Hamburg (im sogenannten Kinderknast) unter geschlossenen Bedingungen „umerzogen “ werden sollten. Diese gescheiterten Versuche führten immer wieder zu Rechtsbrüchen, medikamentöser Ruhigstellung und deformierenden Zwangsmethoden.
  • Von politischer Seite (die GAL und die Linke), von Fach-Arbeitskreisen des Rauhen Hauses, der Patriotischen Gesellschaft sowie beim Paritätischen Wohlfahrtsverband regte sich Protest. Es wurden Initiativen entwickelt für alternative Hilfeformen vor Ort. Diese gilt es von Seiten der Fachpolitik tatkräftig zu unterstützen.
  • Wiederholte Male hat sich gezeigt, dass komplexe fachliche und interdisziplinäre Hilfeansätze jeweils dann verkümmern, wenn vorrangig das Heil im Wegschluss mit Hilfe von Zwangsmaßnahmen gesehen wird. Diese Zwangsmaßnahmen führen nicht zu dem Erfolg, den sie versprechen und kosten viel Geld. An dieser inhaltlichen Debatte und einem Plädoyer für die Einhaltung der Hilfeansätze aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz ist der Ausschuss Kinder und Jugendliche beteiligt.
  • Die Medikalisierung, vielfältiger psychosozialer Probleme von Kindern und Jugendlichen mit den eigens dafür geschaffenen Diagnostikziffern im ICD – 10, durch die ADHS abrechnungsfähig wurde und sich „seuchenartig“ ausbreitete, soll mit dem DSM 5, dem ICD 11, für die Profiteure einen noch lukrativeren Trend einläuten, indem noch mehr Diagnosen konstruiert und Medikamente wie Neuroleptika, Antidepressiva und Psychostimulantien schon für Kleinkinder verordnet werden. Davor wird gewarnt. (A. Frances in seinem lesenswerten Buch „Normal“ 1,2,3)
  •  Mitglieder des Ausschusses waren aktiv beteiligt an mittlerweile sehr vielen Veranstaltungen zum Thema, das uns auch weiter beschäftigen wird. Am 20. November 2013 fand zum Thema ADHS ein Fachtag der DGSP und RGSP in Köln mit Professor Peter Schönhöfer als Referent sowie mit Stefan Richter und Charlotte Köttgen in der Diskussionsrunde statt.(Dank an Professor Schönhöfer für wiederholte aktive Mitarbeit)
  • Es erscheinen Texte in: „modernes Lernen“ im Herbst 2014; auch in der Dokumentation zum 40 Jährigen Bestehen der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGFH) ist ein Beitrag von C. Köttgen und Friedhelm Peters.
  • Im Mai 2014 war Charlotte Köttgen anlässlich des europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung Gast der Stiftung der DGSP. Sie diskutierte öffentlich auf dem Podium des Psychiatriemuseums mit Christoph Türcke (Autor des Buchs „Hyperaktiv“).

 

Dringend sucht der DGSP-Ausschuss „Kinder und Jugendliche“ eine neue Sprecherin oder einen neuen Sprecher.

Im kommenden Jahr ist in Hamburg (voraussichtlich am 2. Juni 2015) eine Nachfolgeveranstaltung zu dem 2012 stattgefundenen Experten-Hearing zum Thema ADHS geplant. Auch wird es am 21. Mai 2015 eine Tagung der Rheinischen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie mit dem Schwerpunkt „Schule“ geben.

Die Debatte um die richtigen Hilfen für Kinder, die in Not geraten sind, wird wohl weiter anhalten. Unseren Nachfolgerinnen wünschen wir viel Erfolg.


Hamburg im September 2014
Charlotte Köttgen und Gesine Mörtl



[1] Frances A, Duke University of North Carolina kritisiert das neue DMS V vor der American Psychiatric Assoziation (APA),Der Spiegel 2012, Nr. 6, S.122 Titel seines Buches: Normal. Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen. Dumont: Köln, 2013 (1. Aufl.)
[2]
DGSP: Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V., Ch. Köttgen, St. Richter, Eine Generation wird krankgeschrieben. Köln 2013.
[3]
Blech, Jörg: Die Psychofalle. 2014 S. Fischer, Frankf./M.

Kontakt:
Dr. med. Charlotte Köttgen
Tornquiststr. 49
20259 Hamburg
Fax: (040) 4014539