Symposium

"Gute Psychiatrie braucht gute Personalbemessung"

► 5. Dezember 2019 | Leverkusen

Präsentationen stehen am Seitenende zum Download zur Verfügung.

Auf dem unmittelbar vor Beginn der DGSP-Jahrestagung veranstalteten Symposium gaben fünf Expert*innen ihre Einschätzung zu der ab 1. Januar 2020 gültigen neuen Personalbemessungs-Richtlinie. Die fünf Expert*innen präsentierten dabei unterschiedliche Perspektiven.

Gisela Neunhöffer von ver.di stellte die Mitarbeiterperspektive und die aktuelle Versorgungssituation in psychiatrischen Kliniken dar, welche die Gewerkschaft kurz zuvor mit dem Versorgungsbarometer eruiert hatte.

Uwe Gonther, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Ameos Klinik Dr. Heines in Bremen, vertrat die ärztliche Perspektive und betonte, dass einem bei dem riesigen Durcheinander bei den gerade laufenden Parallelprozessen „schwindelig werden kann“. Gonther sieht das größte Problem aus klinischer Sicht jedoch nicht in der Personalbemessung, sondern im Personalmangel.

Die pflegerische Perspektive stellte Silke Ludowisy-Dehl, 2. Vorsitzende der Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen in der Psychiatrie e.V. (BFLK) dar. Es gebe momentan eine Diskussion, was die Genesungsbegleiter im Klinikkontext machen können und sollen und wie deren Eingruppierung aussehen kann. Ludowisy-Dehl sieht in der neuen Richtlinie ein Dokumentations-Ungeheuer und zeigte sich optimistisch, dass es noch Anpassungen geben wird.

Im Vorfeld der Erstellung der Richtlinie hatte es Unmut darüber gegeben, dass vor ihrer Verabschiedung kaum Informationen über die zu erwartenden Inhalte öffentlich gemacht wurden und Verbände wie die DGSP nicht beteiligt waren. Ein Mitberatungsrecht im G-BA haben die Patientenvertreter*innen. Herbert Weisbrod-Frey erläuterte die Möglichkeiten und Grenzen der Patientenvertretung G-BA.

Bettina Jahnke brachte als Betroffene ihre persönliche Sicht in die Diskussion ein. Sie sieht es als Nagelprobe, ob sich das System den Menschen anpasst oder sich die Menschen dem System anpassen müssten. Sie zeigte sich erfreut, dass die Genesungsbegleiter*innen in der Richtlinie Erwähnung finden, plädierte aber für ihre Bezeichnung als „EX-IN-Kräfte“, da sie auch als Multiplikator*innen und Konzeptentwickler*innen beispielsweise im Qualitätsmanagement eingesetzt werden könnten. Peer Counseler müssten als eigenständige Berufsgruppe implementiert werden. Im Hinblick auf ihre tarifliche Eingruppierung schlug Jahnke vor, dass bei Beschäftigten ohne Erstausbildung die EX-IN-Ausbildung als Erstausbildung akzeptiert wird, bei jenen mit einem klassischen Ausbildungsberuf EX-IN als zusätzliche Qualifikation Anerkennung finden sollte.