Tagungsbericht "Arbeit, Arbeit, nix als Arbeit?!"

„Arbeit, Arbeit, nix als Arbeit?!“ – so lautete der Titel des 5. Fachtags Arbeit, der am 30. März 2017 durch den Fachausschuss Arbeit der DGSP in Hamburg durchgeführt wurde. In den Räumlichkeiten des Rudolf Steiner Hauses versammelten sich ca. 180 Besucher*innen, um sich zum Thema Arbeit für psychisch erkrankte Menschen zu informieren und in Detailfragen auseinanderzusetzen.

In den Grußworten hob der Staatsrat der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg Jan Pörksen die Bedeutung der Förderung der Arbeit für psychisch erkrankte Menschen hervor. So sei es gelungen, in den zurückliegenden drei Jahren 180 Menschen, die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen als Beschäftigungsmöglichkeiten genutzt haben, wieder auf den 1. Arbeitsmarkt zu integrieren. Er sah in den Neuregelungen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) eine Erweiterung der Möglichkeiten der Integration auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Claudia Rustige, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen analysierte die gesetzlichen Regelungen des BTHG umfassend. Viele Wünsche und Forderungen sieht sie mit den Neuregelungen noch nicht erfüllt. Prof. Dr. Steffi G. Riedel-Heller stellte neuste internationale Forschungsergebnisse vor. Ein wichtiger Aspekt in den Ergebnissen: Das Thema Arbeit und der berufliche Wiedereinstieg müssten mit dem Tag des Eintritts in das Krankenhaus von den professionell Tätigen konsequent verfolgt werden. Der auch hier in Deutschland bekannte Ansatz „erst platzieren und dann trainieren“ führe auch auf internationaler Ebene zu den besten Ergebnissen. Hierzu bedürfe es u.a. folgender Teilaspekte im Unterstützungssystem:

  • Job-Coach übernimmt alle Aufgaben von Anfang bis Ende
  • Job-Coaches sind Teil eines gemeindepsychiatrischen Teams
  • Job-Coaches bilden ein Team mit gemeinsamen Sitzungen und Supervision
  • Kein Interessierter am Supported Employment wird ausgeschlossen
  • Fortlaufende Assessments am Arbeitsplatz
  • Rasche Vermittlung an kompetitiven Arbeitsplatz (< 1 Monat)
  • Arbeitsplatzsuche nach individuellen Bedürfnissen

In einer abschließenden Gesprächsrunde äußerten sich Menschen mit Psychiatrieerfahrung zu ihren Erfahrungen im Bereich Arbeit. Unklarheiten der gegebenen Möglichkeiten und Barrieren in der Durchlässigkeit des Rehabilitationsystems seien ein großes Handicap auf dem Weg in die Arbeit. Dieser Umstand sei oftmals demotivierend. Die Tätigkeit als EX-IN stellt für viele betroffene Menschen eine große Hoffnung dar. Hier gilt es noch viel politische und strukturelle Arbeit zu leisten, bis dieser Ansatz umfängliche und auskömmliche Beschäftigungsmöglichkeiten für Psychiatrie-Erfahrene bietet. Am Nachmittag fanden wie bei den bisherigen Fachtagen auch praxisorientierte Arbeitsgruppen zu diversen Themen statt: Von der wirksamen Unterstützung durch Selbsthilfe bis zur Wirksamkeit von Werkstätten.

Unter Downloads finden Sie alle Präsentationen der Veranstaltung, die wir Ihnen zur Verfügung stellen können. Von der Referentin Melanie Grefenberg sei auf ihr gemeinsam mit Christiane Tilly verfasstes Buch "Expedition Arbeit. Wege in Beschäftigung für Menschen mit Borderline" (Psychiatrie Verlag) verwiesen.