Seminar 34: Psychopharmaka reduzieren und ausschleichen

In den letzten Jahren wird vermehrt über begleitetes Absetzen – oder das zumindest weitestgehende Reduzieren – von Antidepressiva und Neuroleptika diskutiert. Dabei erweisen sich in bisherigen Studien die Genesungsraten als deutlich besser, wenn im Verlauf der Behandlung (weitgehend) auf Medikamente verzichtet werden kann. Jedoch ist das begleitete Absetzen von Psychopharmaka nach Akut­phasen oder jahrelanger Einnahme mit besonderen Herausforderungen verbunden. Es erfordert ein individuelles, bedürfnisangepasstes und das soziale Umfeld einbeziehendes Vorgehen. Vielfach stehen die Betreffenden mit ihrem Wunsch des Absetzens in der Versorgungslandschaft jedoch alleine da.

Diesem Mangel will die Fortbildung abhelfen – zentriert um Berichte von Erfahrungsexperten vor Ort sowie per Videointerview, Einbezug der Kursteilnehmenden und basierend auf ausgedehnten ambulanten, teilstationären und stationären Erfahrungen des Begleitens von Reduktions- und Absetzprozessen des fachärztlichen Personals. Dabei werden auch relevante Studien und Überlegungen zu den Langzeiteffekten der verschiedenen Psychopharmaka vorgestellt, die den Sinn eines (weitgehenden) Verzichts auf Neuroleptika oder Antidepressiva im Behandlungsverlauf unterstreichen.

Die Fortbildung konzentriert sich auf das Erarbeiten von Strategien, um Krisensituationen in der individuellen Begleitung des Reduzierens und Absetzens von Psychopharmaka zu vermeiden und zu bewältigen. Dies ­geschieht vor dem Hintergrund der verschiedenen Erfahrungen, pharmakologischer Überlegungen und einem dynamisch-lebensweltlichen, prozessorientierten Verständnis von Psychosen und Depressionen.

Die Fortbildung soll Psychiaterinnen und Psychiater, alle psychiatrisch Tätigen sowie insbesondere Erfahrungsexperten und Angehörige befähigen, das Absetzen und Reduzieren von Neuroleptika und Antidepressiva adäquat und fachgerecht zu begleiten, und überhöhte Erwartungen und übertriebene Ängste vor einem wichtigen Baustein der Behandlung abbauen.

Inhalt

  • Wie reduziere ich Neuroleptika/Antidepressiva?
  • Welche Risiken und Herausforderungen sind dabei zu bedenken? Wie kann ich diesen Herausforderungen begegnen?

Zielgruppe

Alle in der Psychiatrie Tätigen, Angehörige, Psychiatrie-Erfahrene

Referentinnen/Referent

Brigitte Heinisch, Expertin aus Erfahrung/Genesungsbegleiterin, Berlin

PD Dr. med. Dr. phil. Jann E. Schlimme, Niedergelassener Psychiater/Psychotherapeut, Berlin, Schwerpunkt ambulante Psychosentherapie und begleitetes Absetzen von Neuroleptika/Antidepressiva, PD für Psychiatrie/Psychotherapie an der MHH, Lehrbeauftragter der International Psychoanalytic University Berlin, Gastwissenschaftler an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thelke Scholz, Expertin aus Erfahrung, EX-IN-Dozentin, Autorin, Bremen

Termin & Ort

7./8. Juni 2021 in Würzburg

Zeitrahmen (16 Ustd.)

Mo. 11.00 bis 18.00 Uhr
Di. 9.00 bis 17.00 Uhr

Seminargebühr

  • DGSP-Mitglieder: 230,– €
  • Nichtmitglieder: 275,– €
  • Psychiatrie-Erfahrene: 30,– €

zzgl. Tagungshauspauschale:

  •  Verpfl./Übern. EZ: 225,– €
  •  ohne Übernachtung: 165,– €

Literaturtipp:

DGSP (Hg.): Neuroleptika reduzieren und absetzen. Eine Broschüre für Psychose-Erfahrene, Angehörige und Professionelle aller Berufsgruppen. Köln, 2014

DGSP (Hg.): Memorandum der DGSP zur Anwendung von Antipsychotika. Köln, 2010

Lehmann, P. (Hg.): Psychopharmaka absetzen. Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern. 4., akt. Aufl. Berlin: Antipsychiatrieverlag,
2013

Schlimme, J.E.; Scholz, T.; Seroka, R.: Medikamentenreduktion und Genesung von Psychosen. Köln: PsychiatrieVerlag, 2019

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