Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V.

DGSP

Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V.

Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift »Soziale Psychiatrie«

Auf dieser Seite finden Sie Inhaltsangabe sowie ausgewählte Artikel der aktuellen Ausgabe unserer verbandseigenen Zeitschrift »Soziale Psychiatrie«. Die Zeitschrift kostet 10€ und ist ebenfalls im Abonnement (34€ inkl. Zustellung) erhältlich. Beides (Einzelausgabe und Abo) können Sie in unserer Geschäftsstelle anfordern.

Ausgabe 1/2017: »Auf der Straße - Wohnungslosigkeit und Sucht«

Liebe Leserinnen und Leser,

»In Deutschland leben immer mehr Menschen auf der Straße oder in Notunterkünften«, meldete am 5. Dezember 2016 der »Deutschlandfunk« und führte aus: »Nach Auskunft der Bundesregierung ist die Zahl der Wohnungslosen auf rund 335000 gestiegen. Das sei ein Plus von 35 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010, heißt es in einer Antwort an die Fraktion der Linkspartei im Bundestag. Auch etwa 29000 Minderjährige seien darunter.«

Erschreckende Zahlen – zumal wir davon ausgehen müssen, dass viele dieser Menschen psychisch erkrankt sind, suchtkrank oder mehrfach geschädigt durch traumatische Lebensereignisse. Auch das psychiatrische Hilfesystem ist hier in der Verantwortung, ist jedoch seit langem ungenügend aufgestellt für die notwendige und nachhaltige Unterstützung von Menschen, »die aus dem Rahmen fallen«, sich »non-compliant« verhalten, für die es kaum angemessene außerinstitutionelle Angebote gibt und die abseits der Mehrheitsgesellschaft um das tägliche Überleben kämpfen.

In dieser SP betrachten wir das Thema Wohnungslosigkeit und Sucht aus verschiedenen Blickwinkeln. Nach dem einführenden Beitrag von Christian Zechert zur aktuellen Lage der psychisch erkrankten Wohnungslosen (»Prekär und ungelöst«) und dem folgenden von Roland Lutz, für den Wohnungslosigkeit eine »extreme Form sozialer Erschöpfung« markiert, nimmt Sie Christian Brück mit auf die Straße und schildert am Beispiel der langjährigen Betreuung eines Klienten seine drastischen Erfahrungen. Vom »Leben auf der Straße« berichtet auch (der 2015 verstorbene) Klaus Laupichler. Nach Jahren der Sucht und Obdachlosigkeit fand er den Weg in die Selbsthilfeszene Psychiatrie-Erfahrener – und auch in die DGSP, wo er mit seiner Arbeit wichtige Impulse setzte.

Weitere Beiträge setzen sich mit der Verantwortung des psychiatrischen Hilfesystems und seiner Unzulänglichkeit auseinander, betrachten die Perspektive der Angehörigen bzw. suchtbelasteter Familien und die besondere Situation von Frauen in Wohnungs not. Ein ermutigendes Beispiel vermittelt Wolfgang Bauer-Schneider, der am Beispiel der Darmstädter »Neuen Wohnraumhilfe« darlegt, wie nachhaltige und alternative Hilfen zum Wohnen für die betroffene Klientel aussehen können. Woran es vor allem mangelt, da sind sich Autorinnen und Autoren einig, ist die effektive Vernetzung von Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe und Psychiatrie. Nur so können Alternativen im Hilfesystem entwickelt und umgesetzt werden, die den betroffenen Menschen neue und sinnvolle niedrigschwellige Hilfen bieten. Genau dafür setzt sich auch der Fachausschuss Sucht der DGSP, wie Thomas Bader im Interview (Seite 54) verdeutlicht, seit Jahren ein.

Über das »Highlight« des Jahres, die DGSP-Jahrestagung 2016 in Berlin (mit zirka 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmern), informiert Sie Martin Osinski. »Die Menschheit ist eine vorzugsweise nervöse geworden« lautet der Titel seines Tagungsberichts – und was es damit auf sich hat, erfahren Sie ab Seite 46.
Einen Teil der Tagungsvorträge veröffentlichen wir im nächsten Heft, das die Jahrestagung 2016 zum Schwerpunkt hat.

Und nun noch ein Wort in eigener Sache. Nach fünfundzwanzigjähriger haupt amtlicher Tätigkeit als stellvertretende Geschäftsführerin der DGSP und Redaktionsleiterin der »Sozialen Psychiatrie« gehe ich zum 1. Februar 2017 in den Ruhestand. Die Redaktionsleitung übernimmt Thomas R. Müller aus Leipzig, der schon seit über zwanzig Jahren der ehrenamtlich tätigen SP-Redaktion angehört und für unsere Zeitschrift zahlreiche Artikel und Rezensionen verfasst hat (siehe auch seine Beiträge »Mythos SPK« und »Psychiatrie medial« in diesem Heft). Unterstützt und koordiniert wird seine Tätigkeit von der DGSP-Geschäftsstelle in Köln.

Auch unser Grafiker Hans Schlimbach, der die »Soziale Psychiatrie« seit mehr als zwanzig Jahren gestaltet (und mit Leidenschaft und Profession fotografiert), geht »in Rente«. Eines seiner Fotos haben wir für das Cover dieser Ausgabe ausgewählt. Wir danken herzlich für die langjährige hervorragende und produktive Zusammenarbeit!
Wir freuen uns, dass die Leipziger Grafikerin Gabine Heinze dafür gewonnen werden konnte, künftig die Gestaltung der »Sozialen Psychiatrie« zu übernehmen.

Ich verabschiede mich von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und bedanke mich bei allen Autorinnen und Autoren der »Sozialen Psychiatrie« für die langjährige und konstruktive Zusammenarbeit. Ich wünsche besinnliche und erholsame Festtage und alles Gute für 2017!

Für die Redaktion
Michaela Hoffmann

E-Mail: michaela.hoffmann(at)dgsp-ev.de

Inhalt der Ausgabe: »Auf der Straße - Wohnungslosigkeit und Sucht«

Christian Zechert
Prekär und ungelöst
Die Situation der psychischerkrankten Wohnungslosen – eine Übersicht

Ronald Lutz
Wohnungslosigkeit als extreme Form sozialer Erschöpfung

Christian Brück
Wohnungslosigkeit und Sucht: zurück in welche Zukunft?!

Martin Reker
»Es muss ein gemeinsam getragenes Konzept geben«
Zur Kooperation von Psychiatrie, Sucht- und Wohnungslosenhilfe

Klaus Laupichler
Vom Leben auf der Straße
Sucht und Obdachlosigkeit – Bericht eines Psychiatrie-Erfahrenen

Matthias Albers
Hilfekoordination für die »Schwierigsten«
Perspektiven des Sozialpsychiatrischen Dienstes

Jürgen Malyssek
»Der Bürger will uns nicht auf unseren Straßen«
Ausgrenzung und Stigmatisierung von Wohnungslosen und sozialen Außenseitern

Britta Köppen
Zwischen Traumaspuren, Scham, Humor und zwei Stühlen …
Psychologische Beratung für Frauen in Wohnungsnot

Petra Groh-Kankarowitsch / Darius Chahmoradi Tabatabai
»Mit acht Jahren habe ich das erste Mal meine Mutter geduscht«
Behandlung und Begleitung suchtbelasteter Familien

Christian Zechert
Das Kino des Obdachlosen
Wohnungslosigkeit und Angehörige

Sabrina Hancken
Hinter geschlossenen Türen
Die freiheitsentziehende Unterbringung – eine Alternative für Menschen mit Doppeldiagnosen zum Leben auf der Straße?

Wolfgang Bauer-Schneider
Sozialer Wohnraum – wo können suchtkranke Menschen noch leben?

Gerhard Trabert
Ohne Familie, Unterkunft und gesundheitliche Versorgung
Zur Situation von »Straßenkindern« in Kenia

DGSP-Jahrestagung 2016

Martin Osinski
»Die Menschheit der Gegenwart ist eine vorzugsweise nervöse geworden«
Ein Bericht zur Jahrestagung in Berlin

Beobachtungen & Erfahrungen

Thomas R. Müller
Mythos SPK
Psychiatrie-Verlag präsentiert umfangreiches Werk zum Heidelberger Sozialistischen Patientenkollektiv

DGSP intern

Richard Suhre
Neues aus der DGSP

Neu: DGSP-Fachausschuss Migration
Aufruf zur Mitarbeit

»Suchthilfe ist nur im Netzwerk erfolgreich«
Der DGSP-Fachausschuss Sucht – ein Interview

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